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Ohne Würde leben müssen
Berber-Online. Obdachlos, schutzlos, rechtlos. Vom Leben auf der Straße.
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Vom Heimkind zum Obdachlosen

Ausweglos lebendig begraben oder Totgesagte leben länger.

Leben am Rand der Gesellschaft.

Geboren 1964 in Mannheim.

Aufgewachsen im Mannheimer Norden, in einem Stadtteil der von erhöhter Arbeitslosigkeit, niedriger Bildung und Missbrauch der verschiedenen Art wie Beispielsweise Alkohol- und Suchtmittelkonsum, aber auch vom sexuellen Missbrauch gezeichnet war. Meine Kindheit- und Jugendzeit verbrachte ich in Kinder- und Jugendheimen, Kinder- und Jugendpsychiatrien, Jugendarrestanstalten sowie bei den leiblichen Eltern und bei Pflegeeltern.

Die leiblichen Eltern und die Pflegeeltern sind verstorben. Ausser eine (halb-) Schwester habe ich keine Verwandtschaft. Alle Kontakte zu der Zeit vor meiner Obdachlosigkeit sind eingefroren. 1986 wurde ich in Mannheim durch eine Wohnungsräumung zum ersten Mal wohnungslos. Seit dieser Zeit lebe ich mit einigen Unterbrechungen im deutschsprachigen Obdachlosenmilieu. Zur Zeit befinde ich mich auf der Durchreise ohne festen Wohnsitz.

Einen geregelten Schulbesuch hatte ich in meiner Kindheit und Jugend nicht, daher verfüge ich auch nicht über einen Schulabschluß oder eine Berufsaubildung. Auch hatte ich nie eine Familie weder als Kind, als Jugendlicher oder später als Erwachsener. Daher kenne ich das Gefühl in einer intakten Familie zu leben nicht. Trotzdem ist es mein größter Wunsch einmal eine Familie zu haben und dieses Gefühl zu (er-) leben.

In meiner Kindheit galt ich als schwererziehbar und als Jugendlicher lies man mich als ein hoffnungsloser Fall fallen. Aus den Heimen bin ich regelmäßig ausgerissen und landete so schon mit zwölf Jahren auf der Strasse. In dieser Zeit kam ich auch zum ersten Mal mit Alkohol und Drogen in Berührung. Mit dreizehn Jahren hatte ich meinen ersten Alkoholrausch der in einem Mannheimer Krankenhaus endete. Mit vierzehn Jahren nahm ich zum ersten Mal Kokain und wurde davon abhängig.

Den Jahrelangen Konsum finanzierte ich durch Bankkredite wie überzogene Dispos, Schwarzarbeit, private Schulden und den üblichen kleinen Gaunereien. Aus dieser Zeit bin ich auch vorbestraft und verbüste dafür Haftstrafen zusammengezogen von insgesamt drei Jahren. Einen sozialen Halt hatte ich Aufgrund von fehlenden familiären Strukturen nicht, sodass ein geregeltes, bürgerliches Leben nicht möglich war.

1990 begab ich mich am Ende meiner Kräfte in eine stationäre Langzeitbehandlung zur Entgiftung und Therapie. Nach der fast einjährigen Therapiedauer wurde ich 1991 als "clean" entlassen. Seit dieser Zeit lebe ich Drogenfrei und bin auch noch überzeugter Nichtraucher dazu. Nur gelegentlich trinke ich einen guten Rotwein (Lemberger oder Spätburgunder), was aber selten vorkommt und sich in Grenzen hält.

Wo und Wie fing mein Weg in die Obdachlosigkeit an?

Es war 1986 als ich zum ersten Mal meine damalige Wohnung in Ma-Schönau durch eine Wohnungsräumung verlor und erstmals Obdachlos wurde. Auch meine zweite Wohnung verlor ich 1989 in Ma-Friedrichsfeld durch eine Wohnungsräumung. In beiden Fällen war mein damaliger Lebenswandel mitverantwortlich für die durch die Räumungen entstandenen Schulden und Verluste. Zwischen den Wohnungsräumungen verbrachte ich dann zunehmend meine Zeit in der regionalen Obdachlosenszene und lernte so erstmals das Milieu von Innen kennen.

Wenn ich Rückwirkend ab 1986 bis heute 2012 meine gesamte Lebenszeit als Obdachloser bzw. Wohnungsloser zusammenfassend in Zeiten einteilen sollte, würde ich es vereinfacht in drei Kategorien tun:

1. Leben auf der Strasse - Platte machen, Tagestreffs, Wärmestuben und Herbergen (Notübernachtungen und Asyle) circa acht Jahre.

2. Leben in Einrichtungen - Betreutes Wohnen, Kolonien, Pensionen, Therapie, Übergangswohnungen und Wohnheime circa zwölf Jahre.

3. Leben auf Zeit - Bekanntenkreis, Familie, Freunde, Privat und sonstige circa sechs Jahre.

Ich bin Einzelgänger und lass bewusst nur sehr wenigen Menschen es zu, mich persönlich oder privat kennenzulernen. Die große Mehrheit kennt mich nur vom Namen (Akten, Fotos & Filme) oder im negativen Sinn aus der Gerüchteküche gespeit von Mobbern und Denunzianten.

Die größte Lüge über mich und meine Person ist: "Ich sei schwul" - Aus Erfahrung im bundesweiten Alltag stelle ich fest, die meisten verbalen Verbrecher träumen davon.

Haben Sie Fragen? Gerne beantworte ich Ihre Fragen im persönlichen Gespräch, vielen Dank.

Heute hier und morgen dort, ein Teil meines Leben.

Meine Interessen, Hobby etc.

Ich bin für christliche und soziale Werte, Soziale Demokratie, Opferschutz und Zivilcourage.

Fachliteratur: Gesellschaft, Recht und Soziales.

Fotografieren, Internet, Reisen, Schach und Tagebuch.

Vorbilder: Abbe Pierre, Konrad Adenauer, Willy Brandt und Simon Wiesenthal.

Italienische Küche und Französische Lebensart.

Musik: Irische- und schottische Folklore, Klezmer, Orchestermusik, Swing, Jazz, Philadelphia-Sound, Glam-Rock, Musik der 1970iger Jahre und Mittelaltermusik.

Italienische und Französische Filme der 1970iger und 1980iger Jahre.

Lieblingsfilme u.a. Volker Schlöndorff (Die Blechtrommel), Peter Beauvais (Rückfälle) und Werner Jakobs (Die Heiden von Kummerow).

Lieblingsschauspieler: Günther Lamprecht, Klaus Kinski, Vicco von Bülow, Peter Borgelt, Jürgen Frohriep und Lutz Riemann.

Lieblingsschauspielerinnen: Heidi Kabel, Inge Meysel und Evelyn Hamann.

TV-Serien früher - Klimbim, Loriot, Polizeiruf 110 (DFF), Tatort (WDR und SFB).

Früher Hunde, heute Katzen.

Ich bin gegen die Todesstrafe, einschliesslich den Befürwortern.

Ich bin gegen Missbrauch und Gewalt an Schutzbefohlenen, Wehrlosen und schwachen Menschen.

Ich höre keine Böhse Onkelz, Bushido, Sido und ähnliches.

Ich bin gegen die kollektive Homophobie, Xenophobie, Sexismus und Rassismus.

Ich bin für Gleichberechtigung in Arbeit, Bildung, Gesundheit und Soziales.

"Es ist unmöglich, anders zu Wissen und Glauben zu gelangen als durch die Wahrheit"

In Erinnerung

Menschen die mir in jungen Jahren mit Speis und Trank den Hunger stillten und manchmal auch das Gefühl von Familienleben gaben.

Elisabeth Brox - Irmgard und Willi Müller - Wilhelm Küchler - Luise Bauer - Hildegard Büchner - Familie Haas.


An dieser Stelle möchte ich an die vielen Obdachlosen erinnern, die unfreiwillig von uns gingen. Euch allen hier ein öffentlicher Platz der Erinnerung, ein Platz nur für Dich. Ein Gedanke - Ein Paar Zeilen und Vergessen bist Du nicht...


"Ich bin, wie ich bin. Wer mich nicht respektiert, wie ich bin, brauch ich nicht"


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